In Südmexiko wehren sich indigene Gemeinden gegen wirtschaftliche Grossprojekte, die ihre Lebensgrundlagen bedrohen. Frauenkollektive engagieren sich dabei zunehmend für ihr Recht auf Gesundheit. Die medico-Jahrespartnerschaft stärkt ihre Arbeit in der Krebsprävention und -behandlung.

JaPa Mexiko Frauenkollektiv Codigo DH Titel
Bestickte Fotografien sind Teil der kollektiven künstlerischen Tätigkeit von Frauenkollektiven in Südmexiko.

«In unserer Region gibt es kaum staatliche Gesundheitsstrukturen. Sie gilt als Region der Entwicklung. Aber die Bevölkerung hat keinen Nutzen davon – im Gegenteil», sagt Marimar Huertas vom Kollektiv «Guerreras de Salina Cruz». Während Unternehmen in der Landenge von Tehuantepec in der Region Oaxaca gefördert werden, werden die Rechte der Bevölkerung vielfach missachtet. Indigene Frauen sind von den Diskriminierungen besonders stark betroffen. «Uns bleibt also nichts anderes, als uns selbst zu organisieren. Und das tun wir im Sinne unserer Kultur der Gemeinschaft und der kollektiven Fürsorge», so Huertas weiter.

Frauen organisieren sich

Die medico-Partnerorganisation Comité de Defensa Integral de Derechos Humanos (Código-DH) unterstützt seit über einem Jahrzehnt indigene Gemeinden im Korridor von Tehuantepec im Widerstand gegen wirtschaftliche Grossprojekte insbesondere im Energiebereich. «Daraus sind auch sehr engagierte Frauenkollektive entstanden, die heute ihre Rechte besser kennen und sich in verschiedenen Lebensbereichen gegenseitig unterstützen», sagt Sara Méndez von Código-DH. Frauen sind von gesundheitlichen Problemen besonders betroffen und tragen gleichzeitig einen grossen Teil der Sorgearbeit. Deshalb haben einige Kollektive eigene Gesundheitsinitiativen aufgebaut. Diese wollen sie nun gezielt stärken und ausweiten – mit besonderem Fokus auf Krebserkrankungen, die zu den zentralen Gesundheitsproblemen in der Region gehören.

Krebs früh erkennen

Krebs zählt weltweit zu den häufigsten Ursachen für Krankheit und Tod. Die Weltgesundheitsorganisation hat die Eliminierung von Gebärmutterhalskrebs und die Eindämmung von Brustkrebs zu gesundheitspolitischen Prioritäten erklärt. Beide Krebsarten gehören auch in Mexiko zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Dabei ist Gebärmutterhalskrebs durch HPV-Impfung und wirksame Früherkennung weitgehend vermeidbar. Dennoch sterben weiterhin viele Frauen daran – insbesondere dort, wo der Zugang zu Gesundheitsversorgung und Vorsorge eingeschränkt ist. Auch in Mexiko fehlt vielen Frauen der rechtzeitige Zugang zu Vorsorge, Diagnostik und Behandlung. In der Landenge von Tehuantepec erschweren grosse Distanzen, fehlende Transportmöglichkeiten und kulturelle Barrieren den Zugang. Zwar gibt es staatliche mobile Gesundheitskampagnen, doch es braucht besser zugängliche, kultursensible Information sowie eine verlässliche Begleitung von Frauen mit positiven Befunden. Die Ausweitung von Industrieprojekten im Rahmen des Interozeanischen Korridors führt zudem zu zusätzlichen Umweltund Gesundheitsbelastungen in der Region. Vor diesem
Hintergrund ist der Ausbau von Prävention, Früherkennung und kontinuierlicher Begleitung besonders dringend.

Vertrauen und Zugang schaffen

«Vorbeugen ist einfacher als behandeln», betont Sara Méndez. Viele Frauen in der Region wissen nur wenig über Gebärmutterhals- oder Brustkrebs und haben selbst mit 40 oder 50 Jahren noch nie eine Vorsorgeuntersuchung erhalten. Deshalb setzt die Jahrespartnerschaft insbesondere auf den Zugang zu verständlicher Information. Material wird in lokale indigene Sprachen übersetzt und visuell an den kulturellen Kontext angepasst. Ergänzend kommen Podcasts, lokale Radiosendungen und Social-Media-Kampagnen zum Einsatz, um möglichst viele Menschen zu erreichen. «Speziell junge Frauen sollen über die Bedeutung der HPV-Impfung informiert werden, die im Rahmen eines staatlichen Impfprogramms kostenlos angeboten wird und einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Gebärmutterhalskrebs leistet», so Méndez.

Marimar Huertas betont die Wichtigkeit des persönlichen Austausches: «Viele Frauen meiden gynäkologische Untersuchungen, weil sie rassistische und sexistische Diskriminierung erlebt haben – auch durch staatliche Gesundheitsinstitutionen. Deshalb schaffen wir sichere und vertraute Räume, in denen wir offen über unsere Erfahrungen sprechen können. Wenn ich erzähle, dass ich selbst zur Vorsorge gegangen bin und wie wichtig diese Untersuchung ist, hilft das anderen, Ängste abzubauen und Vertrauen aufzubauen.»

JaPa Mexiko Team Codigo DH
Das Team von Código DH mit eigens produzierten Materialien für die Sensibilisierungsarbeit.

Begleitung sichern

Das Projekt beinhaltet zudem Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Gebärmutterhals- und Brustkrebs. Dazu gehören Krebsabstriche, Kolposkopien, Anleitungen zur Selbstuntersuchung der Brust sowie Mammografien. «Für die Durchführung konnten wir eine Vertrauensärztin gewinnen», erzählt Méndez. Frauen mit auffälligen Befunden werden danach individuell begleitet, an spezialisierte Gesundheitsdienste weiterverwiesen und beim Zugang zu den notwendigen Untersuchungen, und Behandlungen unterstützt. Ergänzend setzt sich Código DH weiterhin durch Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit für eine gerechten Zugang zu Gesundheitsversorgung ein.

Spendenziel 25'000CHF

Mit 25000 CHF ermöglicht die medico-Jahrespartnerschaft das Erstellen von zugänglichem Infomaterial für rund 40000 Frauen, die Durchführung von Sensibilisierungs-Workshops sowie Vorsorgeuntersuchungen in den Gemeinden San Dionisio, Salina Cruz und Union Hidalgo.