Die Lebenssituation in Kuba verschärft sich durch die ausgeweitete US-Blockade dramatisch. Die Einschränkungen treffen insbesondere die Energie- und Treibstoffversorgung und haben gravierende Folgen für das öffentliche Leben, Handel, Gesundheitssystem und Lebensmittelproduktion/-versorgung. Die medico-Partner*innen berichten von wachsendem Mangel und sozialer Zuspitzung. Während westliche Regierungen schweigen, fordern sie mit Nachdruck: Lasst uns leben!

Angelika Stutz & Alice Froidevaux

Die medico-Partnerorganisationen Federación Democrática Internacional de Mujeres (FDIM) und Movimiento de Mujeres Mélida Anaya Montes (Las Mélidas) aus El Salvador bringen auf der kubanischen Botschaft ihre Solidarität zum Ausdruck.

Vor dem Hintergrund erneut erstarkender imperialistischer Machtansprüche verschärfen die USA ihre völkerrechtswidrige Blockadepolitik gegenüber Kuba weiter. Die jahrzehntelange US Blockade hat die Wirtschaft und die Versorgung der Bevölkerung bereits massiv destabilisiert. Mit dem US-Angriff auf Venezuela und der Trennung Kubas von dessen Erdöllieferungen wird die Bevölkerung nun zusätzlich kollektiv bestraft. Grundlegende Alltagsbereiche sind betroffen, soziale Ungleichheiten verschärfen sich dramatisch. UN Expert*innen warnen vor einem möglichen humanitären Zusammenbruch, sollte die Lage nicht sofort entschärft werden.

Besonders spürbar sind die Auswirkungen der Blockade im Gesundheitswesen. Medikamentenengpässe, fehlende medizinische Ausrüstung und Ersatzteile bedrohen vor allem Menschen mit chronischen Erkrankungen, ältere Personen sowie Schwangere und Neugeborene. Kliniken und Apotheken kämpfen täglich darum, die Grundversorgung aufrechtzuerhalten – ein Wettlauf gegen Mangel und Zeit. Auch Energie und Lebensmittel sind knapp. Treibstoffmangel lähmt Transport, Stromversorgung und die Versorgung sensibler Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Kühlketten. Gleichzeitig erschweren Handelshemmnisse und blockierte Finanztransaktionen, dass sogenannte «Remesas» – Geldüberweisungen von im Ausland lebenden Angehörigen – ihre Familien in Kuba erreichen. Für viele Haushalte sind diese Überweisungen jedoch existenziell, da sie damit stark verteuerte Grundnahrungsmittel bezahlen müssen.

Ungleichheiten verschärfen sich

Die sozialen Folgen treffen die Bevölkerung sehr ungleich. Besonders hart sind einkommensschwache Familien betroffen, die steigende Preise und eingeschränkte Verfügbarkeit am unmittelbarsten spüren. Auch Frauen und Menschen afroamerikanischer Abstammung stehen unter besonderem Druck. Yulexis Almeida Junco von der medico-Partnerorganisation Articulación Afrofeminista Cubana betont: «Frauen tragen die Hauptlast der Sorgearbeit und sind enorm belastet, da Knappheit und infrastrukturelle Defizite ihren Alltag erschweren. Besonders Afrodescendientes, die ohnehin bereits höhere Ungleichheit erfahren, spüren die Einschränkungen als Rückschritt und Ungerechtigkeit – Gefühle von Ohnmacht und Verzweiflung nehmen zu.»

Zudem sei besonders die seit Jahren bestehende antirassistische und lokalunternehmerische Basisarbeit des Kollektivs durch die aktuelle Krise beeinträchtigt. «Viele unserer Projekte, die direkt in den Gemeinden mit vulnerablen Bevölkerungsgruppen arbeiten, konnten aufgrund fehlender Elektrizität, eingeschränkter Transportmöglichkeiten und mangelnder Vernetzung nicht wie geplant fortgeführt werden», so Yulexis. Besonders Frauen afrodescendenter Gemeinden, die als Lehrende, Aktivistinnen oder Community-Leaderinnen arbeiten, sind davon betroffen – mit direkten Konsequenzen für die Basisarbeit, die Lebensqualität der Zielgruppen und teilweise auch für das Einkommen der Aktivistinnen selbst.

Die medico-Partnerinnen betonen: Es geht nicht nur um akute Notlagen, sondern um langfristige Perspektiven – um Zugang zu Ressourcen, soziale Rechte und die Möglichkeit, gesellschaftliche Entwicklungen aktiv mitzugestalten. Die Stimmen aus Kuba zeigen eindrücklich, wie eng globale Politik mit dem Alltag der Menschen verbunden ist. Wer die Lebensrealität der Bevölkerung ernst nimmt, muss die humanitären Folgen der völkerrechtswidrigen US-Blockade sichtbar machen!

Internationale feministische Solidarität

medico unterstützt in verschiedenen Projekten die internationale feministische Vernetzung – und auch in diesem Fall zeigt sich die Solidarität über Grenzen hinweg. In El Salvador setzten die beiden medico-Partnerorganisationen Federación Democrática Internacional de Mujeres (FDIM) und die feministische Organisation Movimiento de Mujeres Mélida Anaya Montes (Las Mélidas) mit einem Solidaritätsstatement, das sie der kubanischen Botschaft in San Salvador überbrachten und einem organisationenübergreifenden Online-Meeting ein Zeichen für Kuba. Sie betonen: «Die Stimmen der Frauen sind unverzichtbar, um das Ende der Blockade einzufordern und Kubas Recht auf souveräne Entscheidungen zu verteidigen. Gemeinsam sind wir stärker.»